Den deutschen Autozulieferern stehen weiter harte Zeiten bevor. Die Serie von Unternehmenspleiten in der Branche wird sich auch in diesem Jahr fortsetzen, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie von Deloitte und IHS Global Insight. "Wir sehen im Zuge des Branchenumbruchs noch einige Insolvenzen. Das ist (...) aus Marktsicht aber unausweichlich. Nur so wird es gelingen, Überkapazitäten abzubauen und wieder auf einen Wachstumskurs zurückzufinden", erklärte Deloitte-Partner Siegfried Frick in Stuttgart. Bis November 2009 mussten bereits 83 Zulieferer aufgeben.
Nach Aussage von Frick kämpfen vor allem kleine Betriebe mit einer dünnen Finanzdecke infolge der Krise. "Sie haben jetzt kaum mehr Mittel, auch weil Banken sich bei der Kreditvergabe nach wie vor zurückhalten." Gemäß einer Befragung von 195 Entscheidern namhafter deutscher Zulieferer bestätigten 87 Prozent, nur noch unter erschwerten Bedingungen an Bankkredite zu kommen. An erster Stelle alternativer Investoren sehen die Unternehmen strategische Investoren, gefolgt von Private-Equity-Gesellschaften und den eigenen Anteilseignern.
Auch bei der Geldbeschaffung für Betriebsmittel gehen die Zulieferer laut Untersuchung neue Wege. Sie setzen zunehmend auf Staatsbürgschaften, wenngleich 75 Prozent der Befragten deren Vergabe als unzureichend bezeichneten. Dies resultiere ebenfalls häufig aus der Zurückhaltung der beteiligten Banken. Daher würden zur Verbesserung des Cashflow auch verstärkt Maßnahmen wie Factoring genutzt, hieß es.
Rund 30 Prozent Überkapazitäten
Der Abbau von Überkapazitäten hat den Angaben zufolge für 57 Prozent der Betriebe 2010 Toppriorität. Für rund die Hälfte der Befragten besteht vor allem Handlungsbedarf bei Chassisbau, Fahrzeugelektronik und Antrieben. Hier wird ein Überangebot von 30 Prozent geschätzt. Am schwärzesten sehen die Experten den Bereich Innenausstattung (40 Prozent). In den genannten Bereichen aktive Zulieferer sind nach Einschätzung der Branche auch am stärksten von der ab 2011 erwarteten Übernahmewelle betroffen. Die meisten Übernahmen würden horizontaler Natur sein, d.h. Aufkäufe durch unmittelbare Wettbewerber.
Originalquelle: www.autohaus.de, 19.01.2009
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