Die Prisma Kredit versicherung AG, Tochter der Euler-Hermes-Gruppe, hat eine Insolvenzprognose für das Jahr 2010 erarbeitet.
"Wir können für 2010 und für das erste Halbjahr 2011 keine Entwarnung geben", sagt Prisma-Vorstand Ludwig Mertes zum WirtschaftsBlatt. "Die Wirtschaftskrise war von ihrer Heftigkeit nicht vorherzusehen, aber für 2010 haben wir unsere Hausaufgaben gemacht." Das heißt, die schmerzlichen Einschnitte für die Kunden in Sachen Versicherungsdeckung, sprich das Zusammenstreichen der Limits ist bereits erledigt. "Wir erwarten uns keine Verschärfungen mehr", sagt Mertes.
Die harten Fakten
In Deutschland und Italien, Österreichs wichtigsten Handelspartnern, werden die Pleiten heuer um weitere 9,2 Prozent bzw. 15 Prozent steigen, in Osteuropa - mit Ausnahme Polen - und im Baltikum werden die Insolvenzen stagnieren bzw. zurückgehen. Detail am Rande: Zu Bulgarien und Rumänien liegen Prisma keine Zahlen vor.
Insgesamt muss man die Anstiegszahlen aber relativieren. Denn: Italien hatte zwar im Vorjahr eine Steigerung um 37 Prozent von 7300 auf 10.000 Firmenpleiten, aber bei insgesamt sechs Millionen Unternehmen ist das keine Tragik. Zum Vergleich: Österreich verzeichnete bei 398.000 Firmen rund 6900 Pleiten. Auch Polen verbuchte 2009 eine Insolvenzsteigerung von 44,2 Prozent. Betrachtet man die absoluten Zahlen, so sind nur 620 von rund einer Million polnischer Firmen zahlungsunfähig. Fakt ist auch, dass in den Ländern des ehemaligen Ostblocks die geordnete gerichtliche Abwicklung von Firmeninsolvenzen zum Teil noch in den Kinderschuhen steckt und auch auffällige Steigerungen noch wenig Aussagekraft haben. In Spanien führte die jahrelange Bauwut zu einem Rekordanstieg von 111,2 Prozent, doch auch hier sind insgesamt lediglich 5339 Firmen in den Bankrott geschlittert. Indes verzeichnete Großbritannien im Vorjahr einen Pleitezuwachs von 25 Prozess auf rund 37.500 Fälle, heuer soll es bei einer Nullrunde bleiben. Frankreich ist Pleite-Spitzenreiter: Die Insolvenzen kletterten 2009 um 16,9 Prozent auf 67.410 Fälle. Deutschland (3,8 Millionen Firmen) hatte im Vorjahr rund 33.800 Insolvenzen zu beklagen - plus 15,4 Prozent.
Deutschland - Neuerlicher Anstieg der Insolvenzen
Durch die beispiellose Rezession im Winterhalbjahr 2008-09 ist das Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr 2009 um etwa -4,8% gefallen. Die Insolvenzen stiegen um rund 15% an. Doch Deutschland beginnt sich allmählich zu erholen, auch wenn die Auswirkungen noch lange Zeit spürbar sein werden. Für 2010 rechnen wir mit einem Insolvenzanstieg von weiteren 9%.
Italien - Unternehmen nach zwei Jahren Rezession geschwächt
Im Gesamtjahr 2009 hat die Zahl der so genannten fallimenti mit ca. +37% auf fast 10.000 zugenommen. Das Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr 2009 ist um fast 5% eingebrochen.
„Die Wirtschaft wird sich 2010 geringfügig erholen und wahrscheinlich um weniger als 1% wachsen“, erläutert Mertes. „Trotzdem erwarten wir, dass die Zahl der Unternehmensinsol-venzen 2010 um weitere 15% auf insgesamt knapp 11.500 steigen wird.“ Weniger privater Konsum, steigende Arbeitslosigkeit und geringe Kapazitätsauslastung sind die Gründe dafür.
USA - Ein 17-Jahres-Hoch
Seit 2007 ist in den USA ein frappierender Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zu beo-bachten: Die Zahl der Insolvenzen verdreifachte sich innerhalb von drei Jahren auf insgesamt 63.000 Fälle per Ende 2009. Das bedeutet den höchsten Wert seit 1992 und ein Plus von 45% gegenüber 2008. Die Finanzkrise und die Ende 2007 beginnende Rezession schwächten alle wirtschaftlichen Akteure in erheblichem Ausmaß. Geldpolitik, Konjunkturprogramme und Dollarschwäche beginnen nun ihre Wirkung zu entfalten, im 3. Quartal 2009 begann die US-Wirtschaft wieder zu wachsen.
„Die Anzeichen einer Erholung für 2010 sind ermutigend, doch werden die hohe Arbeitslo-senrate von 10% und die Zurückhaltung der Banken die Dynamik der Inlandsnachfrage noch mehrere Quartale lang bremsen“, erläutert Mertes. Die Wirtschaft dürfte im Gesamtjahr 2010 wieder um mehr als 2% wachsen, womit die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf 61.000 fallen könnte (-4%).
Schweiz - Neue Rekordwerte
Die Zahl der Firmenpleiten stieg um 25,6% im Gleichschritt mit einer Serie von Schocks, de-nen die schweizer Wirtschaft ausgesetzt war: Der Inflationsanstieg bis Mitte 2008, der Kollaps des Außenhandels im Winter 2008-2009 (zeitweise verschärft durch die Aufwertung des Schweizer Franken) und die internationale Finanzkrise, die den Finanzplatz Schweiz beson-ders getroffen hat.
2010 wird die Schweiz vom erwarteten leichten Wirtschaftsaufschwung ihrer Handelspartner und einer relativen Normalisierung auf den Kapitalmärkten profitieren. Der private Konsum ist als robust einzuschätzen. Das BIP Wachstum wird 2010 mit weniger als 1% eher bescheiden ausfallen, kann aber eine Trendumkehr bei den Unternehmensinsolvenzen einleiten. Dessen ungeachtet werden die Pleiten 2010 mehr als 5.000 Unternehmen betreffen.
Frankreich - Insolvenzen auf Rekordniveau
Nach einer gerade noch positiven Performance im Gesamtjahr 2008 (+0,3%) brach die fran-zösische Wirtschaft im 1. Halbjahr 2009 ein. Im Gesamtjahr schrumpfte sie allerdings nur um 2%. Zeitgleich sind die Insolvenzen um etwa 17% gestiegen. „Auch für Frankreich wird 2010 eher ein Jahr des Übergangs sein als das des Aufschwungs – die Wirtschaft wird voraus-sichtlich nur um knapp 1% zulegen. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen dürfte mit mehr als 68.000 Fällen hoch bleiben“, kommentiert Mertes.
Tschechische Republik - Rezession und erhöhte Risiken
Mit der tschechischen Wirtschaft ging es Ende 2008 und Anfang 2009 genauso steil abwärts wie im restlichen Osteuropa. Konjunkturpakete im Ausmaß von 2% des BIP stützten Nach-frage und Beschäftigung. Trotzdem stiegen die Insolvenzen 2009 signifikant an (+40%), eine Tatsache, die allerdings auch auf ein geändertes Insolvenzrecht zurückzuführen ist.
Die Wirtschaft wird 2010 nur bescheiden wachsen (+1,5%). Der seit 2009 bestehende Auf-wärtstrend bei den Insolvenzzahlen dürfte bis Mitte 2010 anhalten und sich dann umkehren, womit sich die Zahl der Insolvenzen Ende 2010 bei rund 1.500 Fällen stabilisieren könnte.
Ungarn - Tiefe Rezession
Die bereits durch strukturelle Ungleichgewichte geschwächte ungarische Wirtschaft geriet durch die Weltfinanzkrise ernsthaft ins Strudeln. Finanzhilfen des IWF und der Europäischen Union, sowie eine Straffung der Budgetpolitik haben dazu beigetragen, das Misstrauen der Investoren in Grenzen zu halten. Die Wirtschaft ist 2009 um ca. 6,5% geschrumpft – das bedeutet den größten Rückgang im EU Raum. Das erklärt auch die zunehmende Zahl der Insolvenzen, die auf insgesamt 17.000 Fälle geschätzt wird.
Die Wirtschaft wird 2010 weiter schrumpfen. Die Exportentwicklung hängt von der Stärke des Aufschwungs in der Eurozone ab, insbesondere von Deutschland, wo 28% der ungarischen Ausfuhren hingehen. Der für die beiden nächsten Jahre vorgeschlagene Plan zur Stützung von Konjunktur und Beschäftigung könnte zur Stabilisierung der Insolvenzzahlen beitragen, wenn auch auf sehr hohem Niveau.
Großbritannien - Höchste Insolvenzzahlen seit 15 Jahren
Seit dem Platzen der Immobilienblase und dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise steckt Großbritannien in einer hartnäckigen Rezession. Im Gesamtjahr 2009 ist die Zahl der Insol-venzen um etwa 25% auf rund 37.500 gestiegen. 2010 sollten geld- und budgetpolitische Maßnahmen und ein verbessertes globales Umfeld zu einer Stabilisierung führen.
Polen - eine Ausnahmeerscheinung
Polen ist das einzige Land Europas, das 2009 von einer Rezession verschont blieb. Das Bruttoinlandsprodukt hat im Gesamtjahr 2009 um ca. 1% zugelegt. Die polnische Wirtschaft - mit nur 40 % Exportanteil - erwies sich relativ unabhängig vom Einbruch des Welthandels. Außerdem sorgten Konjunkturprogramme, Steuersenkungen und EU-Finanzmittel für eine Stützung der Infrastrukturinvestitionen und des privaten Konsums. Polnische Unternehmen sind zwar relativ gering verschuldet, doch auch hier steigen die Insolvenzzahlen an (+44,2% im Jahr 2009). Das offizielle Insolvenzniveau ist allerdings für ein Land mit 3,6 Millionen Un-ternehmen wegen der teuren Rechtskosten bei Konkursanmeldung sehr niedrig.
„Wachstumsimpulse werden 2010 nur von den Infrastrukturinvestitionen und der Bautätigkeit für die Fußballeuropameisterschaft 2012 ausgehen. Wir erwarten, dass die polnische Wirt-schaft um etwa 2% zulegt“, sagt Mertes. Mit diesem bescheidenen Wachstum könnten die Unternehmensinsolvenzen allerdings auch 2010 weiter steigen (+10%).
Österreich - Hält sich gut im Europavergleich
Die österreichische Wirtschaft hat sich alles in allem gut gehalten. Für das Gesamtjahr 2009 geht man von -3,5% BIP-Rückgang aus. „Im Vergleich zum Rest der Welt, können wir stolz sein, dass Österreich nur 9,3% mehr Pleiten verzeichnet als im Vorjahr“, freut sich Ludwig Mertes. Der bereits im 2. Halbjahr 2009 eingesetzte Aufschwung wird sich 2010 fortsetzen – bescheiden, aber immerhin. Für 2010 geht Mertes von einem Wirtschaftswachstum von rund 1% aus.
Originalquelle: Pressemitteilung, 20.01.2010
Mag. Melitta Schabauer, Pressesprecherin der PRISMA Kreditversicherungs-AG
Tel +43 (0)5 01 02-1410, mobil: +43/664 80102 1410
E-Mail: m.schabauer@prisma-kredit.com
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